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Technik23. September 2026

22 Gelenke, 6500 Dollar: Unitree macht die Roboterhand zur Massenware

Unitree verkauft seit dem 22. September eine Roboterhand mit 22 angetriebenen Gelenken ab 6500 Dollar, ein Paar kostet damit rund 13'000. Die Hand gilt als Flaschenhals der Humanoiden, entsprechende Forschungsmodelle gab es bisher nur auf Anfrage. Wichtige Angaben fehlen allerdings, und in Zürich sitzt eine Firma, die genau dagegen antritt.

22 Gelenke, 6500 Dollar: Unitree macht die Roboterhand zur MassenwareSymbolbild · KI-generiert

Unitree hat am 22. September eine Hand vorgestellt, die 22 Gelenke besitzt, so gross ist wie eine menschliche und ab 6500 Dollar kostet. Bei der Dex5-S sind alle 22 Gelenke angetrieben, jedes lässt sich von aussen bewegen, und jedes hat einen eigenen Anschlag gegen Drehmomentspitzen beim Anstossen. Ein Paar liegt bei rund 13'000 Dollar, Steuern und Versand nicht eingerechnet.

Die Hand ist der Flaschenhals der Humanoiden. Laufen können sie inzwischen, zugreifen kaum. Forschungshände mit ähnlicher Beweglichkeit gibt es seit Jahren, aber nur auf Anfrage und zu Preisen, die ein Startup nicht zweimal zahlt. Brisant ist deshalb weniger die Technik als die Ansage dahinter: Unitree setzt den Preis, bevor dieser Markt überhaupt richtig entstanden ist.

Der Sprung gegenüber dem Vorgänger ist kleiner, als die Zahl vermuten lässt, und genau darum interessant. Die Dex5-1 hatte zwanzig Freiheitsgrade, davon sechzehn angetrieben und vier passiv, wog etwa ein Kilogramm, erreichte an der Fingerspitze rund einen Millimeter Wiederholgenauigkeit und bis zu zehn Newton Griffkraft, seitlich liessen sich die Finger gut zwanzig Grad auslenken. Wer sie wollte, konnte bis zu 94 Tastpunkte über Finger und Handfläche bestellen. Die S treibt nun alle 22 Gelenke an. Rückwärtstreibbar heisst dabei, dass ein Mensch die Finger einfach schieben kann, ohne etwas kaputt zu machen, und der Antrieb spürt, mit wie viel Kraft. Ohne diese Eigenschaft lässt sich weder sauber greifen noch aus vorgemachten Bewegungen lernen, und beides ist der Grund, warum solche Hände gerade gebraucht werden.

Was Unitree nicht sagt, ist ebenso aufschlussreich. Ob die S mit der Tastsensorik des Vorgängers arbeitet, steht nirgends. Kraft- und Geschwindigkeitswerte fehlen, ein Liefertermin ebenfalls. Die 6500 Dollar sind ein Einstiegspreis für die Hand allein, nicht für ein funktionierendes System aus Hand, Steuerung, Sensorik und der Software, die daraus eine Fähigkeit macht. Wer schon einmal eine Roboterhand im Dauerbetrieb hatte, kennt zudem die eigentliche Rechnung: Finger stossen ständig an, Getriebe und Sehnen verschleissen, und ein Ersatzfinger nach drei Monaten interessiert am Ende mehr als der Katalogpreis.

Trotzdem verschiebt die Zahl etwas. Die bekannteste Forschungshand kommt von Shadow Robotics aus London und wird seit jeher nur auf Anfrage verkauft, was in dieser Branche selten ein gutes Zeichen für den Preis ist. Das kalifornische Startup SharpaWave hält mit 22 einzeln angetriebenen Gelenken technisch mit. Nur liegt Unitree jetzt in einer Klasse, in der eine Universität zwei Hände aus dem Lehrstuhlbudget bestellt, statt einen Antrag zu schreiben. Das entscheidet mit darüber, an welcher Hardware die nächste Generation von Greif-Software entsteht, und damit langfristig auch darüber, wessen Hand sie unterstützt.

In Zürich sitzt eine Firma, die diese Entwicklung genau beobachten dürfte. Mimic Robotics, 2024 als ETH-Spinoff gegründet und heute rund 25 Leute stark, baut eigene Roboterhände und dazu die Modelle, die sie steuern. Trainiert wird mit Aufnahmen echter Handgriffe, abgenommen von geübten Arbeiterinnen und Arbeitern in laufenden Fabriken. Im November sammelte die Firma 16 Millionen Dollar unter Führung von Elaia ein, Pilotprojekte laufen bei grossen Herstellern. Beim reinen Hardwarepreis gewinnt gegen Hangzhou in Zürich niemand, und das weiss man dort. Die Wette lautet, dass sich Geschicklichkeit als Können verkaufen lässt, auch wenn die Hand darunter billig wird. Ob diese Rechnung aufgeht, hat die Elektronikbranche schon mehrfach beantwortet, und nicht immer zugunsten Europas.

Für Schweizer Labore und Entwicklungsabteilungen ist die Sache kurzfristig eine gute Nachricht. Eine Hand für 6500 Dollar macht Versuche möglich, die bisher an der Beschaffung scheiterten. Erst vor zwei Wochen hat ein Zürcher Labor eine handelsübliche chinesische Roboterhand auf ihren eigenen Fingern laufen lassen, ohne die Hardware anzufassen. Die Mechanik kam aus China, das Können aus Zürich. Diese Arbeitsteilung funktioniert, solange sie jemand bewusst wählt. Unangenehm wird sie erst, wenn sie irgendwann alternativlos ist.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.