Agility hat am 15. September Digit 5 vorgestellt, einen Humanoiden, der ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten soll: 22,7 Kilo Traglast, neunzig Minuten Laufzeit, neun Minuten Ladezeit. Verkauft wird er erst 2027, zuerst in Nordamerika, dann in der EU und in Grossbritannien. Ausgerechnet dann gilt die neue EU-Maschinenverordnung, und ein CE-Zeichen hat der Roboter noch nicht.
Symbolbild · KI-generiertAgility hat am 15. September Digit 5 vorgestellt, den ersten Humanoiden der Firma, der ausdrücklich ohne Schutzzaun neben Menschen arbeiten soll. 22,7 Kilo Traglast, 40 Prozent mehr als bisher, 1,81 Meter hoch, 129 Kilo schwer, neunzig Minuten Laufzeit, neun Minuten Ladezeit. Aus dem Verhältnis von Arbeiten zu Laden wird damit zehn zu eins statt zwei zu eins, und der Hersteller rechnet mit über zwanzig produktiven Stunden pro Tag.
Kaufen kann man ihn noch nicht. Frühzugang im ersten Halbjahr 2027, allgemeine Verfügbarkeit gegen Jahresende, danach sollen die EU und Grossbritannien folgen. Genau in diesem Fenster wird es heikel: Am 20. Januar 2027 gilt die neue EU-Maschinenverordnung. Ein CE-Zeichen hat Digit 5 nicht, Agility schreibt, es werde erwartet.
Am auffälligsten sind die Beine. Die Vorgänger liefen mit nach hinten geknickten Gelenken, eine Bauweise, die an einen Vogel erinnerte und die Agility jahrelang gegen Spott verteidigt hat. Digit 5 hat eine menschenähnliche Beinsilhouette und eine eigene Aktuatorik mit Zykloidgetrieben, ausgelegt auf wiederholtes Heben statt auf spektakuläres Gehen. Dazu kommen wechselbare Greifer mit genormtem ISO-Flansch. Die Reichhöhe steigt von 1,68 auf 2,20 Meter, womit auch das oberste Regalfach in Frage kommt.
Die Sicherheitsarchitektur zerfällt in drei Teile: Menschen erkennen, die eigene Absicht mitteilen, die eigene Bewegung unabhängig überwachen. Für das Erkennen kombiniert Agility mehrere Sensortypen mit eigenen Algorithmen, der Roboter kann ausweichen, stehenbleiben oder sich hinsetzen. Licht- und Tonsignale zeigen an, wohin er als Nächstes will. Und ein separater Sicherheitscontroller greift ein, wenn jemand zu nahe kommt, unabhängig von der KI, die den Roboter sonst steuert. Agility ist zudem erster Partner für Nvidias Halos-Plattform und setzt dafür auf IGX Thor. Das ist deutlich konkreter als die übliche Beteuerung, ein Roboter sei sicher. Eine Freigabe für den ungehinderten Betrieb ist es trotzdem nicht: Auf der eigenen Produktseite steht, dass einzelne Sicherheitsfunktionen noch entwickelt werden und die Angaben vorläufige Schätzungen aus der Vorserie sind.
Für Europa ist das mehr als ein juristisches Detail. Die Maschinenverordnung, die im Januar 2027 die alte Richtlinie ablöst, nimmt sich genau jene Fälle vor, die Digit 5 verkörpert: Maschinen mit selbstentwickelndem Verhalten, Sicherheitsfunktionen, die von Software abhängen, und Cybersicherheit als Teil der Konformität. Ein Teil dieser Produkte muss neu von einer unabhängigen Stelle geprüft werden. Wer einen Humanoiden 2027 in eine europäische Halle stellen will, verkauft nicht einfach Hardware, sondern muss ein Sicherheitskonzept belegen, das es in dieser Form bisher kaum gibt.
Die Schweiz hängt hier nicht daneben, sondern mittendrin. Die schweizerische Maschinenverordnung folgt dem EU-Recht, und wer hier einen Roboter in Verkehr bringt, wird über kurz oder lang dieselben Nachweise liefern. Dazu kommt die betriebliche Seite: Fällt der Zaun weg, verschiebt sich die Risikobeurteilung vom Hersteller zum Betreiber, und die Suva schaut sich am Ende nicht das Datenblatt an, sondern den Arbeitsplatz. Schaeffler, seit Jahren Agility-Kunde und in der Schweiz mit eigenen Werken präsent, gehört zu den wenigen Industriebetrieben, die dafür überhaupt schon Erfahrungswerte haben.
Der Zeitplan ist die unangenehmste Zahl in der ganzen Ankündigung. In den Unterlagen zum geplanten Börsengang stand noch eine erste Auslieferung von Digit v5 in der zweiten Hälfte von 2026. Daraus ist der Frühzugang im ersten Halbjahr 2027 geworden, ein halbes Jahr Verzug bei einer Firma, die 2025 rund 1,8 Millionen Dollar Umsatz und 138,1 Millionen Dollar Verlust auswies. Die 300 Millionen Dollar für tausend Geräte, die in denselben Unterlagen als Auftragsbestand auftauchen, stammen von einem nahestehenden Kunden und hängen an Meilensteinen, die erst erreicht werden müssen. Verdientes Geld ist das nicht.
Was Agility voraushat, sind Betriebsstunden. Über 65'000 hat Digit 4 gesammelt, bei GXO, Toyota und Mercado Libre, mit allen Ausfällen und Reparaturen, die dazugehören. Diese Erfahrung steckt im Redesign. Sie ist aber die Bilanz der alten Maschine, nicht der neuen. Ob 23 Kilo, neun Minuten Ladezeit und ein unabhängiger Sicherheitscontroller im Dauerbetrieb halten, was die Folie verspricht, zeigt sich frühestens 2027 beim ersten Kunden, der den Zaun tatsächlich stehen lässt.
Einen Preis nennt Agility nicht.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.