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Branche10. September 2026

Keine Beine, bitte: Ein europäisches Startup wirft nach fünf Wochen die Bauform weg

Das europäische Startup Nucleus zeigte sich Anfang August mit einem zweibeinigen Humanoiden. Seit dieser Woche steht in derselben Halle dasselbe System auf Rädern: zehn Kilo Traglast pro Arm, sechsmal so viel Batterie, fünf bis neun Stunden Dauerbetrieb. Verlangt haben das die Betriebsleiter, wörtlich mit den Worten «keine Beine».

Keine Beine, bitte: Ein europäisches Startup wirft nach fünf Wochen die Bauform wegSymbolbild · KI-generiert

Vor fünf Wochen zeigte sich das europäische Startup Nucleus zum ersten Mal öffentlich, mit einem zweibeinigen Unitree G1. Seit dieser Woche steht in derselben Logistikhalle ein anderer Roboter: gleiche Software, gleiche Arme, aber die Beine sind weg. Nucleus II fährt auf Rädern. Zehn Kilo Traglast pro Arm, sechsmal so viel Batterie, fünf bis neun Stunden am Stück. Mitgründer Melvin Schwarz nennt den Grund unverblümt: Die Betriebsleiter hätten es so verlangt, wörtlich «keine Beine».

Damit verabschiedet sich ein europäischer Anbieter von der Bauform, mit der die halbe Branche gerade ihr Kapital einsammelt. Drei Monate im echten Schichtbetrieb haben genügt, um zu zeigen: Der Hallenboden ist flach, und ein Sturz kostet mehr, als Beine je einbringen.

Abgerechnet wird bei Nucleus nicht die Maschine, sondern die erledigte Aufgabe. Robotics as a Service nennt sich das Modell, der Kunde zahlt pro Griff und pro Kiste, das Risiko der Hardware bleibt beim Anbieter. Das erklärt auch, warum der Wechsel überhaupt so schnell gehen konnte. Wer keine Roboter verkauft hat, muss auch keine verkauften Roboter erklären.

Hinter der vielbeschworenen Autonomie sitzt dabei bis heute ein Mensch. Kommt der Roboter nicht weiter, weil eine Kiste verkantet oder ein Etikett fehlt, übernimmt ein Operator aus der Ferne. Neu bekommt dieser Mensch ein Gefühl für das, was er tut: Die Steuerung vibriert bei Kontakt, die Kraftrückmeldung wächst mit der Abweichung zwischen gewollter und tatsächlicher Armstellung, und eine Anzeige im Bild warnt, bevor ein Bauteil Schaden nimmt. Jeder dieser Eingriffe wandert anschliessend ins Training. Der Mensch am Steuer ist also nicht bloss Notnagel, er ist die Datenquelle.

Welche Fahrplattform unter dem Oberkörper steckt, sagt Nucleus nicht. In den Videos sind selbst gedruckte Halterungen zu sehen, die Basis ist offensichtlich zugekauft. Das ist der unangenehme Teil der Geschichte für alle, die auf eigene Hardware setzen: Ein Anbieter, dessen Wert in der Software liegt, kann das Fahrgestell wechseln wie einen Lieferanten. Bis Ende des ersten Quartals sollen bis zu 25 Geräte im Einsatz stehen.

Allein ist Nucleus mit diesem Schritt nicht. Lumos Robotics fährt seinen zweiarmigen MOS 2 auf Rädern über Linien von Mitsubishi Electric, und die Erhebung von Counterpoint Research zu den 22'000 im ersten Halbjahr 2026 ausgelieferten Humanoiden zeigt, dass ein erheblicher Teil des Volumens gar nicht auf zwei Beinen steht. An Messen läuft der Zweibeiner. Bestellt wird häufig etwas anderes.

Gegen den Trend spricht das Gebäude selbst. Ein Roboter auf Rädern kommt keine Treppe hoch, quert keine hohe Schwelle und steht vor jeder Rampe still. Wer neu auf der grünen Wiese baut, plant das weg. Wer wie viele Schweizer Zulieferer in einem gewachsenen Bau aus den Siebzigern arbeitet, mit Zwischengeschoss, Lastenlift und einer Stufe zwischen Lager und Montage, hat das Problem nicht so leicht los. Beine lösen es, sie kosten dafür Traglast, Laufzeit und einiges an Geduld bei der Sicherheitsabnahme.

Für einen Betrieb, der jetzt Offerten einholt, ist das die nützlichste Frage des Monats: Was genau soll das Gerät überwinden, und wie oft am Tag? Wer die Antwort kennt, kann Angebote auseinanderhalten, statt sich von Videomaterial überzeugen zu lassen. Nucleus kündigt als Nächstes Aufnahmen mehrstündiger Schichten an, samt ungeschnittener Fehler und misslungener Griffe. Gemessen an dem, was die Branche sonst zeigt, wäre das schon fast eine Provokation.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.