Am 7. September hat XPeng in Guangzhou die Fertigungslinie für den Humanoiden IRON in Betrieb genommen. Der erste Roboter verliess sie zu Fuss, ohne dass ihn jemand eingeschaltet hätte, bei über 80 Prozent Automatisierung in den Kernprozessen. Tesla hat seine dritte Optimus-Generation im selben Zeitraum nicht einmal öffentlich gezeigt.
Symbolbild · KI-generiertAm 7. September hat XPeng in Guangzhou seine Fertigungslinie für den Humanoiden IRON in Betrieb genommen, und der erste Roboter verliess sie zu Fuss. Niemand schaltete ihn ein, niemand trug ihn hinaus. Die Kernprozesse laufen zu über 80 Prozent automatisiert, 85 Prozent der Zulieferkette teilt der Roboter mit der Autofertigung des Konzerns. Im Kopf sitzen drei eigene Turing-Chips mit 2250 TOPS.
So öffentlich hat noch kein Hersteller den Sprung von der Prototypenwerkstatt zur Serienlinie vorgeführt. Brisant macht ihn der Vergleich mit Tesla, das den selbst gesetzten Termin für die dritte Optimus-Generation verstreichen liess und seine Hardware bis heute nicht zeigt. Serienreif sein will XPeng bis Jahresende, geliefert wird an externe Kunden erst 2027.
Die ersten Einheiten gehen nicht in eine Werkshalle, sondern in die eigenen Verkaufsräume und auf den Firmencampus. Dort führen sie Besucher herum, erklären Autos und drehen ihre Runden als Wachpersonal. Bescheiden wirkt das nur auf den ersten Blick. XPengs Robotikchef hatte im April selbst eingeräumt, dass die Hardware der Flaschenhals bleibt, allen voran die Hände, die bei anspruchsvoller Greifarbeit zu schnell verschleissen. Ein Showroom ist berechenbar, ein Lager ist es nicht.
«Die Produktionslinien für Roboter sind ohne jedes Vorbild von null entstanden», sagte Firmenchef He Xiaopeng bei der Inbetriebnahme. Der heutige Schritt sei klein, aber man baue die Fertigung für eine völlig neue Produktkategorie. Zur Inszenierung gehörte, dass er dem Roboter einen Mitarbeiterausweis um den Hals hängte.
Technisch ist der Serien-IRON ein gutes Stück weiter als die Bühnenversion, die im Januar in Shenzhen über den Laufsteg spazierte. Die drei Turing-Chips rechnen die Steuerungsmodelle direkt im Roboter, ohne Umweg über eine Cloud, was die Verzögerung zwischen Wahrnehmen und Bewegen drückt. Im zweiten Quartal hat XPeng die Datenteams von Robotik und autonomem Fahren zusammengelegt und schickt den Roboter seither durch dieselbe Vision-Language-Action-Pipeline, die im Auto über Millionen von Kilometern trainiert wurde. Das Ergebnis ist ein Gerät, das sich zwölf Gesichter merkt, im Gespräch zwischen Chinesisch und Englisch wechselt, bewegten Hindernissen ausweicht und seine Ladestation selbst ansteuert, samt Ein- und Ausstecken.
Bezahlt wird das mit frischem Geld. Ende August hat die ausgegliederte Robotiksparte über 900 Millionen Dollar aufgenommen, bei einer Bewertung von mehr als 6,3 Milliarden, angeführt von IDG Capital, mit Tencent und Alibaba an Bord. Es ist die grösste private Einzelrunde, die Chinas Szene für verkörperte KI bisher gesehen hat. Wer die Branchenzahlen danebenlegt, versteht die Eile: Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit rund 19'100 Humanoide ausgeliefert, 272 Prozent mehr als im Vorjahr, und über 97 Prozent davon kamen aus China.
Tesla arbeitet am selben Drehbuch, nur hinter verschlossenen Türen. Aus der Zulieferkette heisst es, der Konzern habe erste Bestellungen über rund 5000 Komponentensätze bei chinesischen Aktuator- und Kugelgewindeherstellern platziert und peile intern 10'000 bis 20'000 Einheiten an. Zu sehen war davon bisher nichts. Der Unterschied zwischen den beiden Autobauern ist im Moment weniger ein technischer als ein kommunikativer. Der eine zeigt eine laufende Linie, der andere verspricht sie.
Für Europa wird 2027 interessant, wenn die Auslieferung an Kunden ausserhalb Chinas beginnen soll. Bis dahin entscheidet sich, unter welchen Bedingungen so ein Gerät hier überhaupt betrieben werden darf. AGIBOT hat sich vor wenigen Tagen an der IFA in Berlin Sicherheitszertifikate vom TÜV Rheinland ausstellen lassen, ein Hinweis darauf, wie ernst chinesische Hersteller den europäischen Marktzugang inzwischen nehmen. Für Schweizer Betriebe kommt die banalere Frage dazu, die an keiner Pressekonferenz vorkommt: Wer repariert das Ding, wenn nach acht Monaten ein Aktuator durchbrennt, und wie lange steht es dann herum. In Tokio hat vergangene Woche ein Anbieter eine Art Pannendienst für Humanoide vorgestellt, Ersatzteile und Techniker im Lieferwagen, Trage inklusive. Das wirkt kurios, ist aber die nüchterne Antwort auf eine Maschine, die im Stillstand nur Kapital bindet.
Ob am Ende Guangzhou oder Fremont die Stückzahlen liefert, ist für einen Betrieb im Mittelland vorerst zweitrangig. Wichtiger ist, dass die erste Generation dieser Maschinen die Schweiz nicht als Prototyp erreicht, sondern als Produkt mit Seriennummer, Ersatzteilliste und Garantie. Daran wird sich zeigen, ob die Zahlen aus China auch hier etwas bedeuten.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.