Ein zweibeiniger Roboter kostet heute weniger als ein gebrauchtes Auto. Der erste Nachmittag ist grossartig, der zweite Tag hat es in sich. Eine Szene aus dem Flur, mit den Zahlen, die kein Prospekt fett druckt.
Symbolbild · KI-generiertDie Kiste ist grösser als gedacht. Sperrholz, Metallecken, Aufkleber mit chinesischen Schriftzeichen, und sie steht mitten im Flur, weil der Fahrer sie nicht in den zweiten Stock tragen wollte. Darin liegt ein zweibeiniger Roboter. 1.21 Meter hoch, 25 Kilogramm schwer, 5900 Dollar teuer. Der Deckel geht auf, zwei Hände greifen unter die Schultern, und dann richtet sich das Ding auf, wie sich sonst nichts aufrichtet, was man im Netz bestellt hat.
Die Szene ist ausgedacht. Die Zahlen darin sind es nicht, und was danach kommt, auch nicht.
Der erste Nachmittag ist der einfachste Teil der ganzen Geschichte. App aufs Handy, Bluetooth einschalten, koppeln, ein eingebautes Tutorial führt durch die Bedienung. Danach läuft der Roboter durch die Wohnung, dreht sich auf Zuruf, zeigt sein Kamerabild auf dem Display und macht genau das, was in den Videos zu sehen war. Die Nachbarn kommen vorbei. Es ist ein grossartiger Nachmittag.
Am Sonntag will man mehr. Der Roboter soll zur Tür gehen, wenn es klingelt, oder wenigstens dem Hund ausweichen. Und an dieser Stelle stösst der Käufer auf den Satz, den kein Prospekt fett druckt: Auf den günstigen Modellen lässt sich kein eigenes Programm ausführen. Sie sind Vorführgeräte. Wer selber etwas bauen will, braucht die Entwicklerversion, und die kostet beim grösseren Modell nicht 13500 Dollar, sondern ab 43900. Nachträglich freischalten lässt sich das nicht.
Nehmen wir an, er hat gleich richtig gekauft. Dann sitzt er am Montagabend mit einem Netzwerkkabel in der Hand da. Die Verbindung zum Roboter läuft nämlich nicht über das Funknetz, sondern über Kabel. Der Roboter bildet ein eigenes kleines Netz und verteilt darin keine Adressen, also muss man dem Laptop von Hand eine Nummer geben, die dazu passt. Und der Laptop will Linux, weil die Software des Herstellers nichts anderes ernst nimmt.
Der Abend endet trotzdem mit einer Fehlermeldung. Zwischen dem eigenen Programm und dem Roboter sitzt eine Vermittlungssoftware, die Nachrichten in beide Richtungen trägt, und sie muss in genau einer bestimmten Version vorliegen. Findet die Installation sie nicht, bricht alles ab. Das ist die Stelle, an der die meisten das erste Mal aufgeben, und es ist keine Schande, denn die Meldung sagt einem Laien schlicht nichts.
Immerhin ist man dabei heute nicht mehr allein. Ein Sprachmodell übersetzt die chinesische Dokumentation, deutet die Fehlermeldung und schreibt das erste Bewegungsprogramm gleich mit. Verbinden kann es sich mit dem Roboter nicht, es sieht das Netz in der Wohnung nicht, jeden Befehl tippt man selbst. Der Abstand zwischen Neugier und erstem eigenem Skript ist damit aber kleiner geworden, als er vor zwei Jahren noch war.
Und dann kommt der Moment, den kein Video zeigt. Bevor das erste eigene Bewegungsprogramm läuft, hängt der Roboter an einem Gestell. So beschreibt es der Hersteller selbst für seinen Prüfmodus. Darunter liegen Matten, im Raum steht eine zweite Person, und man hat vorher geübt, wie man alles sofort stoppt. Wer das übertrieben findet, sollte wissen, dass allein das Kniegelenk des grösseren Modells 120 Newtonmeter aufbringt. Ein solches Gerät stürzt nicht malerisch. Es schlägt ein.
Bleibt die Frage, was am Ende dasteht. Der Roboter geht sicher, auf ebenem Boden. Er beherrscht einstudierte Bewegungsfolgen, er reagiert auf Sprache, er sieht, was vor ihm liegt. Was er nicht tut: selbständig durch fremde Räume laufen und dort Aufgaben erledigen. Das Greifen ist unreif, Treppen sind unzuverlässig, und die Ausdauer ernüchtert. Berichtet werden zehn bis fünfzehn Minuten Arbeit, danach fünf bis zehn Minuten Abkühlen. Wäsche zusammenlegen wird dieses Gerät nicht.
Wer es ehrlicher will, kauft den vierbeinigen Roboterhund. Der beginnt bei 1600 Dollar, läuft über Gras, Sand und Treppen, nimmt Steigungen bis vierzig Grad, erfasst mit seinem Laserscanner eine Karte des Gebäudes und fährt festgelegte Routen ab. Für die Überwachung einer Halle taugt er heute. Fürs Video taugt er weniger, und genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Werkzeug und einem Versprechen.
Für Schweizer Käufer kommt wenig dazu, aber es lohnt sich, es vorher zu wissen. Zölle auf solche Geräte gibt es seit Anfang 2024 keine mehr, die Einfuhrsteuer von 8.1 Prozent bleibt. Heikler ist das CE-Zeichen, also die Bestätigung, dass ein Gerät den europäischen Sicherheitsvorschriften entspricht. Die Angaben dazu widersprechen sich je nach Quelle. Vor dem Kauf schriftlich beim Händler nachfragen kostet nichts und ist im Streitfall alles.
Die Kiste im Flur ist kein fertiges Produkt. Sie ist ein Bausatz mit Beinen. Wer das vorher weiss, verbringt einen ausgesprochen guten Sommer damit. Wer es nicht weiss, hat für 5900 Dollar eine ungewöhnlich teure Zimmerdekoration gekauft, die auf Zuruf tanzt.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.