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Technik10. August 2026

Der Handschuh schreibt mit: Tacta will Robotern die Feinarbeit abschauen

Das kalifornische Startup Tacta Systems hat Ende Juli eine Roboterhand mit fünfzehn beweglichen Gelenken und Sensoren kleiner als ein Sandkorn vorgestellt. Spannender als die Hand ist der zugehörige Datenhandschuh: Fachkräfte tragen ihn bei der normalen Arbeit, während 256 Sensoren pro Fingerkuppe alles mitschreiben. Wer ihn anzieht, bringt der Maschine bei, was er selbst in Jahren gelernt hat.

Der Handschuh schreibt mit: Tacta will Robotern die Feinarbeit abschauenSymbolbild · KI-generiert

Ende Juli hat das kalifornische Startup Tacta Systems ein Robotersystem aus drei Teilen vorgestellt: eine Hand in Menschengrösse mit fünfzehn beweglichen Gelenken, einen Datenhandschuh und ein KI-Modell, das aus dem einen lernt und das andere steuert. Die Tastsensoren sind kleiner als ein Sandkorn und messen Druck von 250 bis 700'000 Pascal. Bewegt wird sie nicht von Motoren, sondern von Flüssigkeit in dünnen Leitungen. Ausgeliefert wird ab Anfang 2027.

Spannender als die Hand ist der Handschuh. Fachkräfte ziehen ihn an und arbeiten wie immer weiter, während 256 Sensoren pro Fingerkuppe Kraft, Bewegung und Temperatur mitschreiben. Jede Arbeitsstunde wird zu Trainingsmaterial. Wer den Handschuh trägt, bringt der Maschine bei, was er selbst in Jahren gelernt hat.

Fluidic Tendon nennt Tacta das Antriebsprinzip. In den Zugkabeln bewegt sich eine Flüssigkeit, die kleine Kolben in den Fingern verschiebt. Der Gewinn liegt im Bauraum und in der Wärme: Die Finger lassen sich sehr schlank halten, und in der Hand selbst entsteht praktisch keine Abwärme. Firmenchef Vikram Pavate beziffert die Lebensdauer auf bis zu 30 Millionen Zyklen, deutlich mehr als bei klassischen Seilzughänden, bei denen ein einziges gerissenes Kabel die ganze Hand lahmlegt. Jeder Finger drückt mit bis zu 25 Newton zu, das sind rund 2,5 Kilogramm pro Fingerkuppe. Temperatur erfassen die Sensoren auf ein Zehntelgrad genau, und weil sie sich abnutzen, sind die Fingerkuppen bewusst als Verschleissteil zum Wechseln konstruiert.

Dahinter steht eine Diagnose, die in der Branche inzwischen Konsens ist. «Menschen haben ein erstaunliches Hirn, aber die KI holt auf», sagt Pavate. «Wir haben passable Augen, und da hat die Computervision aufgeholt. Was gefehlt hat, sind die Hände.» Für Sprachmodelle liegt das halbe Internet als Trainingsmaterial bereit. Für Greifen, Fügen und Stecken gibt es nichts Vergleichbares, weil sich Tastgefühl nirgends abschöpfen lässt. Genau diese Lücke soll der Handschuh füllen. Er streamt seine Daten drahtlos an ein lokales Gerät, muss nicht eingelernt werden und wird beim Kunden direkt an der Linie eingesetzt, um ein vortrainiertes Modell nachzuschärfen.

Zuerst zielt Tacta auf die Elektronikfertigung: Steckverbinder setzen, Kabelbäume konfektionieren, empfindliche Baugruppen fügen. Also jene Arbeiten, die in der Statistik als angelernt durchgehen und in Wahrheit Jahre Übung brauchen. Das 2023 gegründete Unternehmen hat bisher 75 Millionen Dollar eingesammelt, davon 64 Millionen in einer Series A unter Führung von America's Frontier Fund und SBVA. Rückenwind kommt aus der amerikanischen Debatte um die Rückverlagerung der Produktion, denn Elektronikmontage ohne billige Handarbeit lässt sich nur mit Automation zurückholen.

Belegt ist von alledem bisher wenig. Ausgeliefert wurde noch kein einziger TactaBot, die Angaben zu Zyklenfestigkeit und Präzision stammen aus dem Haus des Herstellers, und die Konkurrenz sitzt nicht still. Das koreanische Unternehmen Tesollo bereitet einen Börsengang vor und entwickelt gleichzeitig Hände für Humanoide, das Startup Contactile verkauft Greifer mit eigenen Tastsensoren, und praktisch jeder grosse Humanoiden-Hersteller bastelt an einer eigenen Lösung. Wer heute eine Roboterhand ankündigt, tritt nicht in eine Nische, sondern in ein volles Feld.

Für die Schweiz ist das Thema näher, als es auf den ersten Blick wirkt. Wo Wertschöpfung an Präzisionsmontage hängt, an Medizintechnik, Uhrwerken, Sensorik und Kleinserien in der MEM-Industrie, ist die Hand der Engpass und nicht der Roboterarm. Diese Betriebe haben zwei Probleme gleichzeitig: Sie finden zu wenig gelernte Leute, und ein Teil der Erfahrenen geht in absehbarer Zeit in Pension. Ein System, das Können erst aufzeichnet und dann kopiert, trifft diesen Nerv ziemlich genau.

Bleibt die unangenehme Frage, wem die aufgezeichnete Fingerfertigkeit eigentlich gehört. Tacta beschreibt den Handschuh als Werkzeug, das mit jeder Arbeitsstunde in den eigenen Datensatz einzahlt. Aus Sicht des Betriebs ist das ein Effizienzgewinn. Aus Sicht der Person, die ihn trägt, wandert da die eigene Berufserfahrung in ein Modell. Pavate träumt in Interviews von Sushiköchen und Pianisten mit Handschuh. Der erste echte Einsatz dürfte prosaischer aussehen, irgendwo an einer Montagelinie, an der seit Monaten eine Stelle offen ist.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Das Beitragsbild ist ein mit KI generiertes Symbolbild und kein Pressefoto.